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Was muss man für Musik halten?
aleksandr_v_b
Meiner Meinung nach, muss man nicht jede Tonkomposition für Musik halten.

Um Musik zu sein, muss die Komposition tonal und melodisch sein, und klassische Musik muss noch dazu seelisch und ernsthaft sein.
Musik existiert ohne Melodie nicht.
Es ist ungenügend, Gefühle in Tönen zu äußern. Noten sind um zu singen oder zu tanzen. Mit Hilfe der Noten und Tönen darf man zum Beispiel nicht malen. Wenn ein Komponist mit Tönen malt, dann schreibt er keine Musik, dafür gibt es andere Instrumente wie Pinsel, Bleistift, Palette. Leider haben sich viele Komponisten seit dem 20. Jahrhundert zu malen verdingt.

Der 1. Opponent:
Was den Versuch die Musik in den Rahmen zu treiben betrifft, bin ich nicht einverstanden. Für jeden ist sie eigen, individuell. Wer visuell wahrnimmt, der „malt“. Auf Anhieb, hat Rachmaninow bildhafte Etüden, die einigen konkreten Erscheinungen entsprechen. Dann ist es keine Musik? Wirklich?
Andere können nicht sehen, aber sie singen und tanzen, und sie stellen sich diese Musik auf andere Art vor. Das hängt von der individuellen inneren Auffassung ab. Kurz zusammengefasst kann ein Mensch etwas in Form eines Bildes sehen, und dasselbe wird von einem Anderen als Tanz oder noch irgendwie dargestellt. Musik ist universal im Ganzen und individuell in Einzelheiten.

Antwort dem 1. Opponenten:
Stimmt, verschiedene Leute sehen auf verschiedener Weise. Es gibt innere, individuelle Vorstellungen. Aber realer, objektiver und wahrer Sachverhalt hängt davon nicht ab und verändert sich gar nicht. Gleichfalls ist es bekannt, irren ist menschlich. Einige tun es mehr und schwerer, Fehler der Anderen trifft man seltener, und sie sind überhaupt nicht so schwer.
Es gibt wesentlich verschiedene Musen, jede hat ihre Besonderheiten, ihren Instrumentarium, deswegen gibt es einige Musen, und nicht eine "universale", wie Sie sagen. Wenn ein Komponist aus irgendeinem Grund (weil er nicht kann oder nicht will, weil er geschmacklos ist) melodischer Notenschrift ausweicht und mit den Noten das tut, was man mit Pinseln, Bleistiften und Paletten machen muss, oder wenn er etwas in der Art von Tontheater tut, bedeutet das ... zwischen zwei Stühlen zu sitzen.
Versuchen Sie zwischen zwei Stühlen zu sitzen, die nicht nebeneinander stehen. Was passiert dann? Wo finden sie sich? Auf jeden Fall nicht im Gebiet der Musik oder im Bereich von Muse der darstellenden Kunst.
Und noch über die individuelle Wahl und Neigung - es ist immer wichtig, Maß zu kennen.
Was erwähnte Werke von Rachmaninow betrifft, ist Rachmaninow ein bekannter Melodiker, seine bildhaften Etüden (Études tableaux, op. 33 und 39) sind Musikkompositionen. Vermutlich sind Sie von der Benennung „bildhafte“ verwirrt. In diesen Werken gibt es ziemlich starke melodische Grundlage mit einigen selten treffenden Abweichungen.
Und noch ein Gedanke: Musik muss immer Schönheit tragen, auch wenn sie etwas Trauriges darstellt. In diesem Fall ist sie der schöngeistigen Literatur ähnlich, im Gegensatz zur Dokumentarliteratur. Leider geraten einige Autoren auf Abwege und werden Chronikschreiber.

Der 2. Opponent:
1. Tonart ist ein Sonderfall des Tongeschlechts. Aus der historischen Sicht gesehen entstand die Tonart als solche relativ vor kurzem. Russische Bauernvolksmusik hat nichts mit der Tonart zu tun, doch war es die Musik.
2. Musik ist auch ohne Melodie möglich. Beispiele sind zahlreich, vom Bach bis Debussy.
3. Man trifft noch viel unernste Musik bei Mozart zum Beispiel. Das heißt nicht, daß sie nicht genial ist.
Deshalb meine ich, muss man danach nachdenken…

Antwort dem 2. Opponenten:
Also, zum Ihren ersten Punkt -
Gleichsam verstehen Sie nicht, daß es um Ordnung und Unordnung geht. Das, worüber sie schreiben, sind in diesem Fall unbedeutende Einzelheiten. Tonart und Tongeschlecht setzen Ordentlichkeit der Töne voraus. Aufgrund der geordneten Tonleiter kann man deutliche und unteilbare sinngemäße Fassungen bilden. Fehlordnung der Tonleiter ermöglicht das nicht, obwohl sie etwas dem Malen und Tontheater Ähnliches zu tun lässt.
Zum dritten Punkt -
Erkläre: Nach meinem Verständnis bedeutet ernsthafte Musik, daß sie seelisch, tiefsinnig, mit hohem ästhetischen Qualität ist. Selten könnte ich sagen, daß Musik von Mozart unernst ist, weil die Kunstqualität hoch ist.
Zum zweiten Punkt -
Ach nein! Musik von J.S.B. enthält die Ganzheit der harmonischen Ordnung, Melodie ist zu wahrnehmen oder gedacht, aber Debussy ist kein gleicher Brüder!

(Ich orientiere mich in der ersten Linie an seinen Images – Livre I und Images – Livre II)

Worin besteht das Unterschied zwischen dem Inhalt des Abfallkorbes und einem Organismus?

Ich gebe die Antwort: Das erste bedeutet eine Summe, das zweite ist die unteilbare Ganzheit. Das erste kann man zum Beispiel durch zwei dividieren, und dann? Es wird schon zwei Summen. Das zweite kann man nicht dividieren, weil Qualität ganz anders wird und Ganzheit entschwindet. Warum ist es genau so? Darum das Erste keine bedeutende innere Beziehungen hat, doch das Zweite hat sie wiederum.

Also, in diesem Fall ist Musik von Debussy zum Abfallkorb nah.
Ebendarum kann man die Musik dieser Art wie von Debussy so spielen:
von Anfang bis Ende;
von Mitte bis Ende und dann von Anfang und in der Mitte beendigen;
man kann sie auch anders herum zu spielen versuchen.
Vermutlich wird es manchmal noch besser klingen.

Warum so?

Weil der Stoff fehlgeordnet, segmentiert, mosaikartig und aus Teilchen bestehend ist. Auf solcher Weise kann man Kilometer lang schreiben, aber es ist nicht erwünscht, das heißt Geschreibsel.

Ein Musikwerk muss keine überflüssigen oder zufälligen Noten enthalten, jede Einzelheit muss zur folgenden passen, um das logisch gebildete Ganze zu bauen. Dazu bringt das Tongeschlecht. Hier aber gibt es eine ganze Menge freier Noten. Man kann viele Noten hinzuspielen, einige wegwerfen oder an einen anderen Platz stellen. Und was? Schlechter wird es überhaupt nicht. Weil innere Beziehungen gestört, unverbindlich, unbedeutend sind. Es hat sich so ergeben, daß wir Tonbildung, Tonschaffen haben, aber … keine Musik.

Dieser Sachverhalt ist in seinem frühen Entwicklungsstadium bemerkbar in der Musik von Berlioz. Es scheint, daß Berlioz Schwierigkeiten mit der Melodie hatte, er verbindet Teile ganz flüchtig und missbräuchlich. Als Beispiel gilt die Ouvertüre „Le Roi Lear“, die ein volles Fiasko oder sehr vorläufiger Sudel ist. Wie kann man das für Fertigwerk halten und der Öffentlichkeit präsentieren?

Debussy ist auf der späteren Phase dieses entwickelnden Prozesses (der auch Skrjabin angegriffen hat).

Trotzdem tritt etwas Interessantes auch bei Debussy auf. Einzelne Teilchen, Striche, aus deren er seine Summierungen konstruiert, sind interessant aus dem Sicht von Motiven und Sonorismus, wie zum Beispiel der Anfang von Images – Livre II. Doch ist es eine nicht talentlose Tastenbewegung, vorläufige Fragmente der Improvisation. Wenn ein Melodiker sich damit beschäftige!.. Ich hoffe, Sie verstehen wie groß ist die Arbeitsdistanz, die zwischen vorläufigen (besonders bruchstückartigen) Improvisationen und einem beendeten Werk liegt.

Das Schaffen von Debussy und anderen Komponisten solcher Art bilden das Beispiel der Degeneration und Abweichung von der Musik und ist Merkmal des Grenzbereiches.

Schlüsselwörter nach Debussy und ähnlichen Komponisten:
Mosaizität, Strichartigkeit, Unterteilung des Ganzen, Zerstörung der inneren Beziehungen, Bruch der Melodie, Summierung, Teilbarkeit, Chaos, unrecht bekanntgemachte Person, abgeknappte Musik

Aspekt des Problems: echte Musik oder Betrug?


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* Die Notenseite vom Autor: http://aleksandr_bystrow.musicaneo.com/de/